Maximilian Rödel Biography Images Text
A QUARTER CENTURY – Remarks about the painting of Maximilian Rödel
A QUARTER CENTURY... 25 years- this is the age of Maximilian Rödel and this is how he betitles his first solo exhibition. The title is serious, yet it has an ironic undertone. With his new work Rödel sets a self confident statement, it is his first distinct positioning towards painting. At the same time the young painter knows that he stands at the beginning of his aesthetic project, that he finds himself in a situation of beginning, and of trying- now he will set off and start. It should be admitted that we are witnessing a head start, one let promised greatness.There has never been so much beginning before, it is a wonderful moment.
A Quarter Century is not Rödel's first exhibition. The painter, who studied under Walter Dahn, Robert Lucander and Thomas Zipp in Braunschweig and Berlin brings his knowledge and the the experiences he has made from experimenting together and shows works that can be perceived in the context of a connection between concrete-constructive and abstract-gestural art. Maximilian Rödel works in sequence and series. He does that in a sense of artistic investigation and commenting on subjects that concern him, that prey on his mind. In his large format oil painting but also in smaller works he deals with subjects such as war and power, metaphysics and secrecy, with beauty and demons. But watch out! Although Maximilian shows interest in many different things, his painting is neither illustrative nor imitating. It is more developing in his dispute with central questions of art, above all the ever actual question of what is an image that is longing for an independent answer. How does the image come to be? The question of meaning in painting today and how much potential can be developed in dealing with their foundational parameters are of immediate concern.
In the series of painting entitled „Endfertigung“ the painter shows compositions and depictions that through their visual appearance remind of constructive and sublime art. In the repetition of symmetric triangles that meet in the middle of the painting he develops compositions that drives energetic gestural painted parts into an exiting relation with the concrete structures of the painting. Those pieces that Rödel manufactured as a kind of monochrome in silver and gold colors, represent the thought of the sublime, the elevated, but in an irritated and destabilized form, which goes with the time. The undergoing of recreation of the ideal of true beauty is legitimate-who, if not the young artist should set out on this endeavor? And still you have to expect failure, and in Rödel's case this failure is beautiful.
In his large scale works, for example „Schlachtenbild II“ or „Postmodern Warfare“ he broke free of the the constructive composition structure of the „Endfertigungen“ and appears to become liquid. The paint was immediately brought onto and mixed on the canvas where they form tantalizingly beautiful images and phrasings. Those images evoke visions of nature and natural spaces, one thinks of a forest landscape or the coast of an ocean. An uneasiness is added to the pure impact of color by the title, for they transform, the romantic motives into a sinister scenery of war.
„My work is the work of a creator whose means are free and whose aim in uncertain. My codex is the sublime and the beautiful.“ Maximilian Rödel constitutes. At the same time his paintings show a sense of trauma and irritation of the romantic ideal, since his work is founded in this tradition, but is not anchored to it and slowly starts drifting away. There is something new in it, because the questioning starts off a denotation of reality that refers to the acute in our situation today. The catastrophe, the farewell song and the downfall is always kept in mind- if it wasn't we would stand in front of a woeful harmonization that could not be taken seriously.
The understandable endeavor of gaining back and saving the sublime, that just about worked out in the sublime art of the 1950s and 1960s lead to new spheres and helps young artists to find their own position, and determine themselves.
In the sense of a realistic localization the perilous and the catastrophe of the present is laid in Maximilian Rödel's painting. This makes it exiting and full of suspense. In his images we encounter the hybrid medusa, moments of horror, of the enigmatic and the unknown next to the beauty that was sought after and found a polyvalence of meanings where danger, adventure, shock and beauty lie together very closely.
Peter Funken
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A QUARTER CENTURY – Anmerkungen zur Malerei Maximilian Rödels
A QUARTER CENTURY... ein Vierteljahrhundert, 25 Jahre - so alt ist der Künstler Maximilian Rödel und so überschreibt er seine erste Einzelausstellung. Der Titel ist ernst gemeint, aber er besitzt auch einen ironischen Unterton. Mit seinen neuen Arbeiten gibt Rödel ein selbstbewusstes Statement, es ist eine erste deutliche Positionierung seiner Malerei, zugleich weiß der junge Künstler, dass er mit seinem ästhetischen Projekt am Anfang steht, sich in der Situation des Beginnens, der tastenden Versuche befindet - jetzt wird er aufbrechen und loslegen. Man muss sagen, wir nehmen an einem starker Start teil, der Besonderes erwarten lässt – so viel Anfang war nie, es ist ein wunderbarer Augenblick.
A Quarter Century ist nicht Rödels erste Ausstellung. Der von Walter Dahn, Robert Lucander und Thomas Zipp in Braunschweig und Berlin ausgebildete Maler bringt seine Kenntnisse und die aus Experimenten gewonnenen Erfahrungen mit der ihm eigenen Kraft und Willensstärke auf den Punkt und zeigt Werke, die im Kontext einer Verbindung von konkret-konstruktiver und abstrakt-gestischer Kunst wahrgenommen werden können.
Maximilian Rödel arbeitet in Reihen und Serien - er tut dies im Sinne der bildnerischen Untersuchung und Kommentierung von Themen, die ihn beschäftigen, ihm auf den Nägeln brennen. In seiner Ölmalerei im großen Format, auch in den kleineren Bildern, die diese vorbereiten, bei den Aquarellen und Zeichnungen beschäftigt er sich mit Themen wie Krieg und Macht, Metaphysik und dem Geheimnis, mit der Schönheit und der Dämonie . Aber Vorsicht, obwohl Maximilian Rödel Interesse für Vieles und Verschiedenes zeigt, so ist seine Malerei weder illustrativ noch nachahmend; vielmehr entwickelt sie sich in der Auseinandersetzung mit zentralen Fragen der Kunst - wichtig dabei vor allem, die immer aktuelle und eigenständig zu beantwortenden Frage, was denn ein Bild sei, wie es entsteht, was Malerei heute bedeutet, welche Potentiale sich in der Auseinandersetzung mit ihren grundlegenden Parametern entwickeln lassen.
Bei der mit „Endfertigung“ betitelten Bilderreihe zeigt der Maler Kompositionen und Darstellungen, die aufgrund ihrer visuellen Erscheinung an konstruktive und sublime Kunst erinnern. In der Wiederholung symmetrischer Dreieckformen, die sich im Bildmittelgrund treffen, entstehen Kompositionen, in denen schwungvoll-gestisch gemalte Partien in ein spannungsvolles Verhältnis zu den konkreten Bildstrukturen treten. Bei diesen Arbeiten, die Rödel auch in einer Art des Monochrom mit Silberfarbe und in Goldtönen hergestellt hat, begegnet uns der Gedanke an das Sublime, das Erhabene – dies aber in einer irritierten oder destabilisierten Form, also der Zeit entsprechend. Der Versuch das Ideal reiner Schönheit wiederzuerschaffen ist durchaus legitim – wer, wenn nicht ein junger Künstler sollte es probieren? Und doch ist auch das Scheitern vorprogrammiert, in Rödels Malerei ist es ein schönes Scheitern.
Bei seinen großformatigen Arbeiten, wie zum Beispiel „Schlachtenbild II“ oder „Postmodern Warfare“ ist das konstruktive Kompositionsgefüge der „Endfertigungen“ aufgebrochen und erscheint wie verflüssigt. Die Farben wurden unmittelbar auf den Bildträger gebracht und dort gemischt, sodass sich betörend schöne Bildpassagen und Formulierungen entwickeln konnten. Bei diesen Bildern stellen sich Vorstellungen von Natur und Naturräumen ein, man denkt an eine Waldlandschaft oder die Küste am Ozean. Aber auch hier tritt neben die reine Wirkung der Farben ein allein durch die Bildtitel verursachtes Unbehagen, denn sie machen aus den romantisch anmutenden Motiven unheilvolle Kriegsschauplätze.
„Meine Arbeit ist die eines Schöpfers dessen Mittel frei und dessen Ziel unbestimmt ist. Mein Codex ist die Erhabenheit und die Schönheit“, hat Maximilian Rödel formuliert; zugleich zeigen seine Bilder eine Traumatisierung und die Irritiertheit des romantischen Ideals, in dessen Tradition seine Kunst zwar ansetzt, jedoch nicht mehr ankert und deshalb von ihm wegtreibt. Darin liegt etwas Neues, denn mit den Infragestellungen setzt eine Bezeichnung von Wirklichkeit ein, die auf das Akute der heutigen Situation verweist: Das Katastrophale, der Abgesang und Untergang wird bei dieser Malerei immer schon mitgedacht - wäre dem nicht so, so stünden wir vor einer elenden Harmonisierung, die nicht ernst zu nehmen wäre.
Der verständliche Versuch der Rückgewinnung und Rettung der Erhabenheit, die in der Kunst des Sublimen der 1950er und 60er gerade noch gelang, führt jedoch zu neuen Sphären und verhilft dem jungen Künstler dazu, seine eigene Position zu finden, Stellung zu beziehen, sich zu bestimmen.
Im Sinne einer realistischen Verortung ist in Maximilian Rödels Malerei das Gefahrvolle und die Katastrophe der Gegenwart intarsiert. Das macht sie aufregend und spannend. In seinen Bildern begegnet uns neben der angestrebten und gewonnenen Schönheit auch hybrid Medusenhaftes, die Momente des Schreckens vor dem Rätselhaften und Unbekannten - also eine Polyvalenz von Bedeutungen, bei der Gefahr, Abenteuer, Schock und Schönheit als Faszinosa sehr nah bei einander liegen.
Peter Funken
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Vom Aufstand
Die Malereien von Maximilian Rödel
Maximilian Rödels neue Malereien sind verführerisch. Es sind auf die Leinwand getragene
innere Bilder, die nach Objektivierung verlangen. Sie locken den Betrachter über
schimmernde Oberflächen menschenleerer konkreter oder abstrakter Kompositionen in
räumliche Tiefen, die irritierend plausibel vorgetäuscht sind. Es sind Trompe l’oeils des
Inneren – was an sich eigentlich schon ein Widerspruch wäre, gäbe es den Fall Rödel nicht.
Dystopisches in den Schlachtenbildern und im Allgemeinen
Dabei soll die Formulierung inneres Bild nicht psychologisch verstanden werden, sondern
vielmehr als Bezeichnung für malerische Momentaufnahmen einer äußeren Verfassung. Zum
einen stellen diese Momentaufnahmen Fragen zu Malerei, zum anderen transportieren sie
einen gefrorenen Moment eines gesellschaftlichen Jetzt. Die Objektivierung dieser
Momentaufnahmen wird in der Wahrnehmung des Betrachters möglich.
So verbinden sich im großformatigen „Postmodern Warfare“, 2010 (Rödel malte zuvor oft auf
intimen kleinen Leinwänden) dunkelviolette, grüne und blaue Farbverläufe zu einer
Komposition, in der wie zufällig waldige Landschaften aufscheinen, um gleich wieder zu
entschwinden. Wie eine Nebelschwade hängt ein weißer Schleier über dieser Szenerie. Und
der Titel lässt die Frage stellen: wer kämpft hier und um was?
Auf einem schwarzen Boden erhebt sich in „Schlachtenbild 3“ ein malerischer Kosmos,
indem Andeutungen von Ozeanen und Bergen in einem violett-blauen Hintergrund versinken.
Schwarze Akzente deuten Konzentrationen von Aktivität an. Die Tiefe wird durch malerisch
eingearbeitete Querlinien parallel zum Block schwarzen Bodens darüber gelegt. Die
menschliche Figur fehlt völlig.
Beide Werke zeigen Szenerien, die dem Beginn von Welt zu entstammen scheinen – als sich
alles gerade aus einer „Ursuppe“ heraus formte – oder aber dem Ende einer Welt. Der Mensch
ist auf jeden Fall abwesend.
Man könnte sagen, dass die Malereien in ihrem Aufbau und Wirken ein
Wahrnehmungsdilemma unserer Zeit vorführen, wie es z.B. in Michael Hardt und Antonio
Negris „Empire“ gezeigt wird: gesellschaftliche Macht wird immateriell und verliert vernetzt
ihre klaren Konturen, um als subversive Struktur eine objektive Betrachtung von Welt und
ihren Dingen zu verunmöglichen. Der Einzelne bleibt in einer umwatteten Entfremdung
zurück.
Entweder handelt es sich bei Rödels Leinwandszenerien also um malerische Vorstellung zu
einer neu entstehenden Welt, um jene zu einer untergehenden Dystopie oder aber um den
Status des Übergangs von einer untergehenden zu einer sich neu formierenden inneren
Ordnung. Letzteres erscheint einleuchtend, betrachtet man in diesem Zusammenhang Rödels
„Endfertigungsbilder“.
Endfertigung: Die Basisformen
Der Begriff “Endfertigung” erinnert an George Orwells „1984“ (übrigens das Geburtsjahr des
Künstlers), in der „Neusprech“ (Newspeak), die neue Sprache der Partei, als Instrument der
totalen Kontrolle über das Individuum dient. So wie man sich George Orwells Weltordnung
vorstellt, sehen auch die gleichnamigen Malereien von Rödel aus: industriell, modern, mit
Irritationsmomenten in der Exekutive.
Geometrisch konkrete Kompositionen vierer Dreiecke treffen sich in einem Punkt des
goldenen Schnittes: geordnet, systematisch in der Komposition, aber locker und gestisch oder
gesprayt im Farbauftrag. Für Rödel sind diese Dreiecke und der goldene Schnitt Basisformen
- oder Strukturen, die er in diesen Werken zu Basiskompositionen zusammenfügt. Es gibt
verschiedene Versionen von diesen Bildern: mal sind sie gold bis bräunlich oder schwarz,
silber, pink, aber vor allem Silber in verschiedenen Schattierungen – nur die
Basiskomposition bleibt. Räumliche Tiefe entsteht nur bedingt.
In diesen Kompositionen kommt im Gegensatz zu den „Schlachtenbildern“ Ordnung in die
Malerei von Rödel – jedoch nur an der Oberfläche bzw. in der Grundstruktur, denn der
gestische oder gesprayte Farbauftrag unterläuft und widerstrebt der Androhung einer letzten
Ordnung. Die Geste übt Aufstand gegen die Komposition. Die Ordnung bleibt eine Illusion.
Der malerische Zustand ist einer, der einen Status beschreibt, bei dem ein Weitergehen nur
angedeutet wird.
Ähnlich apokalyptisch wie „1984“ ist im Übrigen aktuell das französische Werk „The coming
insurrection“, in der das anonyme Autorenkonglomerat „The Invisible Commitee“ den
baldigen, drohenden Aufstand gegen die und folglich Untergang der kapitalistischen
Weltordnung voraussagt – basierend auf Argumenten wie denen in „Empire“.
„Die Farbe des Fortschrittes ist Silber“
…sagt Rödel und Silber ist eine wichtige „Farbe“ im Werk des Künstlers. Silber steht für
Metall, Maschine, die Ideen der Moderne vielleicht – auf der einen Seite. Auf der anderen
Seite repräsentiert Silber auch das Weibliche, den Mond, das Licht – es ist also auch eine
Farbe des Romantischen. Romantik und Moderne treffen sich in einem Punkt: dem
Individuum und seinem Verhältnis zum Außen. War es das Ziel der Romantiker dem
Betrachter das Erlebnis des natürlich Erhabenen zu visualisieren, wurde es in der Moderne
wichtig, Formen für neue Gedanken zu gesellschaftlichen Utopien zu finden. Das Individuum
stand im Zentrum all dieser Bestrebungen, zum einen als schaffender Künstler des
Fortschrittes in der Moderne, zum anderen als empfangender Betrachter von phantastischen,
seelenvollen Bildern in der Romantik. In Rödels Bildern gibt es keine menschlichen Figuren
mehr. Der Betrachter ist lediglich in seiner Funktion als Wahrnehmender gefragt. Der
Künstler zeigt ihm Illusionen von Ordnung und Tiefe und stellt ein Status quo zur Diskussion,
in der die Frage nach Fortschritt und dessen Richtung offen bleibt – vielleicht taucht aber
gerade darin eine romantische Sehnsucht nach Fortschritt auf.
Vom Erhabenen zur zeichnerische Geste
Und dann gibt es noch die kleinen, sehr schönen leichten und gestischen Zeichnungen des
Künstlers. Sie sind Resultate gelungener Fingerübungen und haben Titel wie „Ein Teil der
Schöpfung“, 2010. Sie könnten als Buchstaben des künstlerischen Alphabetes verstanden
werden, das nicht statisch feststeht, sondern immer neu variiert oder durch weitere
Zeichnungen/Buchstaben ergänzt wird.
Momentan arbeitet Rödel zudem an der Entwicklung eines Symbols, eines Wappen, das wie
ein Addendum zu seinen Werken gezeigt werden kann. Es soll aus einem Kopf der Los
Angeles Raiders Logos und einem Wolf bestehen. Beide Motive stehen für die Raub und
Plünderung. Betrachtet man die bisher beschriebenen Werke und Ihren Charakter mit einem
solchen „Zusatz“, könnte man meinen der Künstler wolle auf Raub- und
Plünderungsprozesse hinweisen, die seine Werke mitbestimmen. Eine Methode, die seit der
Postmoderne offen gelebt wird, man klaut, macht Anleihen und mixt daraus einen –
hoffentlich ganz eigenen – Cocktail. Vielleicht liegt in einer solchen Vorgehensweise auch
das grundsätzlich Verführerische von Rödels Bildern: er nutzt Zeichen und Anleihen wie
konkrete oder romantische Bild- und Formensprache und schafft daraus malerische Illusionen,
Simulationen von inneren Bildern, die keine Lösung oder Utopie vorgeben (können), sondern
einen Zustand beschreiben. Darin liegt aber die kristallklare Brisanz dieser Malereien: in
ihnen bleibt ein Fortschritt bringender „Aufstand der Zeichen“ gegen ein System aus – mit
dem Addendum: noch.
Katharina Schlüter
