Patrick Alt   BiographyImagesText



Patrick Alt verbindet in seinem virtuos pastosen Farbauftrag kunsthistorische Bezüge mit konzeptuellem Kalkül. In seinen Bildern befinden sich z.T. diffuse Großflächen, die aber ein bewusst zusammengesetztes Farbsystem darstellen und auf geometrisch-abstrakte Raster treffen. Diese Raster erscheinen lapidar wegen ihrer nachlässig gezeichneten Linien, so als hätten diese einst den Wunsch geäußert, gerade sein zu dürfen. Aber jetzt sind sie nur noch um Linearität bemüht. Die Linien tänzeln wie junge Hunde in der Pubertät. Man kann sich fragen, ob die malende Hand dieser Linien und Striche von ADS oder drohender Demenz betroffen ist. Was verrät uns also der Pinselstrich über das Hier und Jetzt im Jahr 2009?

Die Pinselstriche behaupten etwas, das nicht in Worte gefasst werden soll, sonst wäre es Text. Aber diese Elemente bilden auch so etwas wie ein konstruktivistisches Bataillon. Die Leinwände sind rasterartig unterteilt. Den Farben werden wie auf der Weltkarte von Google-Earth je nach Zoomfaktor Flächen zugewiesen. Sie bilden Situationen ab, die nicht statisch sind. Mäandrige Linien täuschen vielleicht so etwas wie den Glauben an eine bildliche Ordnung vor. In dieser Topografie bewegt sich der Pinsel aber nur scheinbar frei und gleitet an bestimmten Stellen über die bildinternen Grenzen hinweg. Es entstehen Bilder im Bild. Es handelt sich um Super-Expressionismus, der auf Super-Konstruktivismus trifft. Beide verbindet die tiefe, gegenseitige Einfühlung.

Im Detail jedes Bildes kann es auch so gesehen werden: Der teils mechanische, teils krude Farbauftrag lässt viele Bezugsrichtungen offen. Die am meisten verwendete Farbe ist dabei Haut- bzw. Fleischfarbe, die - von der Industrie genormt und so bezeichnet - im Grunde nur aus einer bestimmten Mischung von Pigmenten besteht. In der Hautfarbe finden sich die drei Grundfarben plus Weiß. Monochrome Hautfarben-Bilder, die sich als Bild im Bild in Alts Werken befinden, kann ebenso als Antithese zu Unendlichkeits-Floskeln monochromer Künstler wie z.B. Yves Klein gelesen werden. Hautfarbe steht also für das Gegenteil von blauen oder schwarzen Monochromie-Gedanken. Sie steht für das Hier und Jetzt.

Etwas wie industrielle Serialität vollzieht sich in Patrick Alts Bildern nicht in einer popart-referentiellen Massenproduktion von Flachbildware, sondern in einer bestimmten Art der Pinselführung. Betrachtet man seine Malerei als systematische Anhäufung von Pinselstrichen, die verweisen, bezeichnen und/oder symbolisieren, so bilden sich Bezüge innerhalb der Bilder, aber ebenso zu den Pinselstrichen anderer Maler.

Es lässt sich z.B. sein parallel aufgetragener und senkrechter Pinselgestus, der sich meist im Zentrum seiner Bilder findet und von dort ausbreitet auch als Kommentar zu einer in den Gesten minimal und mechanisch gewordenen Handbewegung im digitalen Zeitalter lesen. Die Bedeutung der Hand als Erkenntnisinstrument nimmt stetig ab. Es ist also ein symptomatischer Pinselstrich, der mit dem vertikalen Scrollen der Finger auf neusten Touchpads eines Laptops zu vergleichen ist. Zusätzlich zum Pinsel malt Alt deshalb auch direkt mit den Fingern und versucht, kulturelle Phänomene in seine Malerei zu infiltrieren. Die Hand des Malers als Reflexions-Instrument hat also nicht ausgedient. Patrick Alt verlässt die Leinwand nicht, er hält die Spannungen aus und kräftigt die Bilder wie Kandidaten einer Gameshow. Er stattet sie mit Tools aus und schickt sie nach Draußen. Seine Abstraktion ist abstrakte Identitätskonstruktion eines Menschen im 21. Jahrhundert. Zum Jetzt möchte er zugleich Ja und Nein sagen, aber niemals eine Utopie entwerfen, weil das Lüge ist. Maybe he is against painting in a positive way.